twitter finde ich blöd …

… nein das ist nicht meine Meinung also keine Angst ich bleibe twitter erhalten.

Aber lasst mich euch kurz erzählen, wie es zu dieser Aussage kam und was noch dazugehört.

Letzten Sonntag habe ich das erste Mal am #ATS (Anonyme Twitterer Stammtisch Pforzheim) teilgenommen. Das ist eine Runde von Pforzheimern, die sich über twitter kennengelernt haben und sich in regelmäßigen Abständen treffen, um über „Gott und die Welt“ zu reden. Soweit so gut …

Wir kamen schnell ins Gespräch über dies und jenes, wir „kannten“ uns ja teilweise mehr oder weniger schon über die gemeinsame Zeit bei twitter. Nach einer Zeit fiel mir auf, dass ich alle Anwesenden außer einer Person zuordnen konnte, da ja die meisten ein persönliches Bild als twitter Avatar oder im facebook Profil hatten. Also fragte ich nach, wer er denn sei. Als Antwort bekam ich natürlich seinen „echten“ Namen … er hieß Guido. Da es bei mir immer noch nicht klingelte, fragte ich ihn nach dem Namen seines twitter Accounts. Die Antwort:

„twitter finde ich doof, aber es gibt dort tolle Menschen.“

Öh ja dachte ich und wir redeten über ein anderes Thema. Es stellte sich heraus, dass Guido gar nicht „twitter aktiv“ ist und als Bekannter der Runde gerne dabei war.

Es dauerte mehr als 24 Stunden, quasi heute auf der Heimfahrt von der Arbeit, da fiel mir dieser Satz wieder ein. Wahrscheinlich rührte die Verbindung daher, dass meine Praktikanten und ich heute morgen über das Thema Integration diskutiert hatten.

Mir würde plötzlich bewusst, dass wir am Sonntag ein schönes Beispiel von Integration erlebt hatten und zwar bis dato unbewusst.

Guido fand twitter doof und war trotzdem bei einem twitter Treffen dabei. Wir fanden twitter toll und trotzdem hatten wir Guido wie einen twitterer behandelt.

Wie geht das? Warum funktionierte das so einfach? Warum wurde Guido nicht als „Fremder“ gesehen?

Ich glaube der Schlüssel liegt in der Wahrnehmung des Menschen. Guido sah uns nicht als „twitter user“, sondern als Menschen, Pforzheimer und Freunde bzw. Bekannte. Der Schritt ist den Menschen isoliert von twitter zu sehen, also das was man „blöd“ findet. Ohne diese Vorgehensweise hätte er wahrscheinlich von vorneherein das Treffen mit uns abgelehnt. Warum fiel es uns so leicht ihn nicht als Gegner unseres Lieblingsmediums zu sehen, sondern als Mensch der sich für uns interessiert? Ich fühlte mich, ob seiner Aussage „ich finde twitter blöd“ durch den Zusatz „aber es gibt dort tolle Menschen“ sogar ein wenig geschmeichelt. Also in keinster Weise fühlte ich mich beleidigt.

Auf diesem Fundament kann ein toller kritischer und fruchtbarer Dialog zwischen den beiden Ansichten entstehen und es findet eine Annährung statt, die den jeweils anderen verstehen lässt, warum dieser oder jener Mensch so ist wie er nun mal ist.

Ich fand dieses Erlebnis toll, auch wenn ich die Verknüpfung erst mehr als einen Tag später hinbekommen habe.

In diesem Sinne …

„Die Welt ist manchmal sehr blöd, aber es gibt dort sehr viele tolle Menschen!“

Danke für einen tollen Sonntag Vormittag: Guido, @C_SeilerJost, @CorinaWalter, @Yothine, @Schlumpfine80, @buhacont, @iJoerg & attachments

Nachtrag: Wer Guido vom Gegenteil überzeugen möchte hier sein “verwaister” twitter account – > @g_lobi

Euer Benjamin (@oecommunity)

- meine Gedanken zum Thema Integration in Deutschland -

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2 Antworten auf twitter finde ich blöd …

  1. Guido sagt:

    Meine Aussage war nicht “ich finde Twitter doof” sondern “eigentlich twittere ich nicht”. Vielleicht sagte ich tatsächlich sogar “doof”, aber das sollte man nicht auf die Goldwaage legen. Ich bin seit fast 20 Jahren im Netz unterwegs (konnte allerdings mit meiner ersten E-Mail-Adresse 1991 so gut wie niemanden erreichen) und war mehrere Jahre “Sysop” einer Mailbox im FidoNet – kennt heute niemand mehr, oder? In diesen 20 Jahren habe ich E-Mail und das Usenet als wunderbare Kommunikationsform kennengelernt und dort auch Menschen getroffen, die enge persönliche Freunde wurden. Vielleicht hat mich die technische Weiterentwicklung eingeholt oder gar überholt, aber ich sehe aufgrund einiger beruflicher und insbesonderer persönlicher Erlebnisse nicht alles so rosig. Ich kenne Beispiele von allzu freizügigen Selbstoffenbarungen via Homepage, Facebook und Blogs, habe Erfahrungen mit langlebigen Datenspeichern von Google oder Forumarchiven usw. Mir gibt insbesondere Twitter nicht wirklich viel, was auch daran liegt, dass ich nicht “handyphil” genug veranlagt bin. Aber das mag jeder für sich entscheiden. ;-)

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Online-Medien dazu geeignet sind, nette Menschen kennenzulernen. Die gesellige Frühstücksrunde habe ich (mit einer Ausnahme) vollständig zuerst “in real life” kennengelernt. Aber hätte ich ein Treffen mit lauter “Unbekannten” aus dem Netz abgelehnt? Nein, ganz sicher nicht. Viele “Netztreffen” aus der früheren “Mailbox-Szene” sind Beweis genug. Allerdings: Die Einladung zum Frühstück bekam ich nicht über meinen weitgehend verwaisten Twitter-Account.

    Ach ja: Ich bin kein Gegner von Twitter, es ist aber nicht “meine” Kommunikationsform. So wie du nicht viel bzw. gerne telefonierst.

  2. Pingback: #tWelcome | #tWaldstock

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